Süssi Teesalon: eine herbe Enttäuschung

Veröffentlicht am 16. Februar 2014 von Roman
Lesezeit: Lesezeit: cirka 3 Minuten (10 Bilder)

Gestern habe ich mit Ivy eine schöne große Runde durch Wiens Bezirke gemacht und bin dabei vom 8. bis zum 4. Bezirk mäandert. Schön, was man da so alles entdeckt. Und weil ich durch die vielen netten Entdeckungen (Wien hat schon einiges zu bieten) dann auch in Kauflaune war - dachte ich mir, dass ich doch mal etwas Süßes aus dem Thésalon Süssi in der Operngasse zur Jause mit nach Hause nehme. Also rein in den kleinen Laden, wo vor der Theke kaum 2-3 Personen gleichzeitig Platz finden. Dafür fühlt man sich wie in eine andere Welt versetzt. Dass es (durch einen Vorhang verdeckt) dann noch in ein kleines barockes Tee-Stübchen geht, damit hätte ich gar nicht gerechnet. Ist rein optisch auch nicht mein Fall - was mir aber egal war, da ich ja ohnehin nur etwas mitnehmen wollte.

Die Auslage war ja schon sehr vielversprechend - viele fruchtige Tartelettes, Schaumröllchen und Crèmes lachten einem entgegen. Im Inneren war ich dann erstaunt, dass scheinbar noch viel mehr süße 'Leckereien' darauf warteten verputzt zu werden. Schaumröllchen überall in kleinen Glasdöschen, Punschkrapfen in Hülle und Fülle und jede Menge Crème-Desserts. Da lacht das Herz des Süßigkeitenliebhabers. Der Name Süssi scheint einem da nur sehr recht zu sein. Etwas ernüchternd die (deutsche) Bedienung mit französischem Outfit und irischem Charme (nämlich keinem!).

Auf die Frage, ob sich die diversen Tartes mit unterschiedlichem Obst darauf auch unterhalb geschmacklich unterscheiden bekam ich nur einen fragenden Blick. Nach nochmaligen Nachfragen dann die Antwort - dass überall drunter Schokotarte ist und nur das Obst oben drauf den Unterschied darstelle. Na egal: "einmal Himbeere (Framboise) und einmal Heidelbeere, bitte!" - "Heidelbeere?" Ein Fingerzeig meinerseits brachte dann Licht in die Auswahl. "Ah, Blaubeere ...". Tja - in die Operngasse in Wien hat sich das Wort Heidelbeere scheinbar noch nie verirrt. Noch bin ich aber guten Mutes und nehme noch ein paar Schaumrollen und zwei Punschkrapfen zum Verkosten mit (hier haben wir ja unsere Punschkrapfenvertikale vergangenes Jahr gemacht - und ich bin immer noch auf der Ausschau, ob hier jemand den Sieger von der Konditorei Sluka vom Sockel stoßen kann. Völlig charmebefreit und für fast 18 Euro bekomme ich dann meine 2 Plastiksackerl (und ich denke mir: naja, 2 Früchtetartes möchte ich nicht unbedingt hochkant transportieren). Zum Glück habe ich noch ein größeres Sackerl mit dabei, wo ich die Sachen ganz gut verstauen kann.

Zuhause angekommen nehme ich dann die Dinge aus den Plastiktüten (um auch dem geehrten deutschen Leser zu sagen, was wir hier unter Sackerl verstehen - komisch, die Autokorrektur macht aus 'Sackerl' immer 'Saukerl' 😊) und wundere mich, dass man so Fruchtiges in Papierservietten einwickelt. Erinnert mich an das Pausenbrot, das Mutti damals schon immer gerne in Servietten einwickelte, die dann immer schön am Brot picken blieben. Und da bin ich gar kein Freund davon ...

Aber alles hat dennoch ganz gut den Weg nach Hause überstanden - und wurde von mir dann auch gleich fotografisch festgehalten. Das Obst auf den (saftelnden und pickigen) Tartes hat mich dann aber schon gleich verwirrt. Sieht mir irgendwie nach mit Sirup überzogenem Tiefkühlobst aus. Einen sehr frischen Eindruck hinterlassen sie auf jeden Fall nicht. Und am meisten hat mich das Punschkrapferl irritiert. Ein Déja vu: haben nicht die Punschkrapfen von Hofer bei unserem Test vor einem Jahr so ähnlich ausgesehen (siehe auch letztes Bild anbei)? Man wird hier doch nicht dieses billige Klumpert (Mist, auf gut deutsch) einfach nehmen und mit einer Beere 'verziert' hier verkaufen? Und wie auch immer - selbst wenn es nicht von Hofer ist, scheint es vom Geschmack und der (Glasur-)Optik eher ein Teil Industrieware zu sein, das noch dazu dann nicht mal 'frisch' war (und schmeckte). So eine Enttäuschung! Was bedeutet das für die Obst-Schoko-Tartes?

Und hier zieht sich mein Eindruck (leider) weiter. Der Teig (viel zu dick) ist trocken und schmeckt mehr wie ein Hefeteig (als ein mürber Mürbteig) - die Schokolade (laut Süssi Webseite verwendet man hier nur feinste französische Schokolade) - schmeckt furchtbar - da kann die Manner Kochschokolade geschmacklich mehr. Und das Obst (wirkt nicht frisch) rettet das ganze auch nicht. Bleiben noch die Schaumrollen (und auch hier haben wir ja unsere persönliche Referenz!): Naja - sehen irgendwie 'selbstgemacht' aus. Aber geschmacklich sind sie kein Highlight.

Fazit: es wandern nach dem Kosten und Fotografieren fast 18 Euro in unseren Mistkübel! Nur ein süßer schlechter Nachgeschmack bleibt bestehen. Jetzt brauche ich dringend etwas zum Neutralisieren. Ist das nur mein Erlebnis und habe ich einfach Pech gehabt. Hat mich interessiert - und so habe ich Google befragt. Hier werden einige Rezensionen auf Yelp, TripAdvisor und Co ausgespuckt. Und es ergibt sich ein höchst ambivalentes Bild. Einige gaaaaanz schlechte Bewertungen - vom Schimmel bis zur Unfreundlichkeit - bestätigen meinen Eindruck. Und dann gibt es noch die üblichen 5-Sterne Lobeshymnen - derer ich ohnehin auf solchen Plattformen immer sehr kritisch gegenüber stehe. Wenn Leute (einige davon leider kritiklos und gerne auch ohne Geschmackssinn) in Urlaubsstimmung sich von Äußerlichkeiten hinreißen lassen (so etwas kann einem selbst auch schon mal in der Urlaubs- und Entdeckereuphorie passieren ...) - was soll man dann davon schon erwarten. Da kenne ich ganze Webseiten/Blogs, die nur höchst positiv von einer Erfahrung in die andere fallen und alles uuuuur super finden!

Noch ein Blick auf die Süssi Webseite rundet dann meinen Eindruck allerdings ab: Auf der Homepage findet man bereits in der ersten Überschrift einen (Tipp-)Fehler. Und auch sonst schafft man es kaum mit (fehlerfreien) Texten den rein netten optischen Eindruck der Süssi-Theke widerzuspiegeln. Und es zieht sich bis zur falsch verlinkten Facebook-Seite weiter. Für uns ist Süssi Geschichte. (Schwülstige) Optik mit French-Touch und Angebotsopulenz reicht uns einfach nicht. Da ist uns weniger bei weitem lieber ... au revoir!

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Süssi, Wien, Operngasse, 1040, Konditorei, Teesalon, Lokal, Geschäft, Eindruck, Kritik, Erfahrung, No, Erfahrungsbericht.

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4 Kommentare
  • Holger
    16.02.2014

    Oje, das ist natürlich ausgesprochen schade, wenn man so enttäuscht wird. Leider ist es wirklich oftmals so, dass man nur auf gut Glück kaufen kann, wenn man nicht schon weiß, wo's die besten Produkte gibt. Ich versuch' ja immer noch an die Punschkrapfen vom Fercher ranzukommen 😉

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    Roman
    16.02.2014

    Die vom Fercher sollen toll sein. Aber wenn man da nur am Schwarzmarkt dran kommt, dann ist es schwer sie zu bewerten 😊

  • Rainer
    16.02.2014

    Deine Fotos sind so gut gemacht, dass einem da beim ersten Blick gar nicht die Qualität der Himbeeren auffällt 😊 Schade drum … die sehen nämlich wirklich nach TK aus … vielleicht ist ja alles tiefgekühlt eingekauft und wird nur aufgetaut bzw. fertig gebacken … Wo sollten die denn die Backstube haben, wenn es so ein kleiner Salon ist? Mich haben ja schon die eingeschweißten Schilder irritiert *g* … geht halt nix über kleine, handbeschriebene Schiefertaferl 😉)

  • Holger
    18.02.2014

    Allerdings... wir waren einmal dort und die waren ca. 1h nach Öffnung schon ausverkauft. Er hat wegen der Krankheit seiner Frau leider zu etwas ungewöhnlichen Zeiten geöffnet... ich glaub' ich werd da mal was vorbestellen 😉

Das passt dazu